Gran Canaria

Unser Plan war sehr simpel: Sonne tanken, die Beine hochlegen, Akku aufladen
Spanien
Christian Eiermann
29.09.2026
•
5 min Lesezeit

Unser Plan war sehr simpel: Sonne tanken, die Beine hochlegen, Akku aufladen. Und genau das haben wir im Oktober 2025 auf Gran Canaria, genauer gesagt in Maspalomas, auch gemacht. Aber wer die Insel nur vom Strand aus sieht, verpasst finde ich den eigentlich spannenden Teil. Also haben wir uns immer wieder für ein paar Stunden aus dem Liegestuhl gewagt und sind losgezogen – in den Norden nach Arucas, in die Markthalle von Las Palmas und einmal quer durchs Inselinnere zum Roque Nublo. Hier meine Eindrücke und ein paar Tipps, die uns im Vorfeld gutgetan hätten.

Arucas: Rum, Basaltstein und eine Kirche, die keine Kathedrale ist

Etwa 20 Minuten nördlich von Las Palmas liegt Arucas – kleine Stadt, große Wirkung. Wahrzeichen ist die Iglesia de San Juan Bautista, die wegen ihrer neugotischen Türme aus dunklem Basaltstein im Volksmund "Kathedrale von Arucas" genannt wird, obwohl sie das gar nicht ist. Der schöne Platz davor heißt Plaza de la Constitución (auch Plaza de San Juan genannt) – die Plaza de Santa Ana mit ihrer echten Kathedrale liegt in der Altstadt von Las Palmas. Beide Plätze sind einen Besuch wert.

Der eigentliche Grund, warum die meisten nach Arucas fahren, ist aber die Destilería Arehucas. Seit 1884 wird hier Rum gebrannt, heute lagern über 4.300 Eichenfässer im Keller. Die geführte Tour dauert etwa 45 Minuten, führt durch Mühle, Gär- und Destillationsräume bis zur Abfüllanlage, und endet mit einer Verkostung verschiedener Rumsorten und Liköre – Ron Miel und Bienmesabe inklusive. Unter der Woche kann man ohne Voranmeldung vorbeischauen, freitags ist bis 18 Uhr geöffnet. Wer sicher gehen will, ruft vorher kurz an oder bucht online, an belebten Tagen bilden sich sonst Wartezeiten.

Insider-Tipp: Einmal im Jahr lädt Arehucas zur "Fiesta Ron" – ein Fest mit spanischen Rockbands, bei dem die ganze Region mitfeiert. Der genaue Termin wechselt von Jahr zu Jahr, es lohnt sich also, kurz vor der Reise auf der Arehucas-Facebookseite oder -Website nachzuschauen, ob man zufällig in die richtige Woche fällt.

Mundo del Plátano, ist mehr als nur Obst

Nur wenige Minuten von der Destillerie entfernt liegt die Bananenfarm Mundo del Plátano auf der Hacienda La Rekompensa – ein Muss, wenn man wissen will, warum die kanarische Banane ihr eigenes Gütesiegel hat. Auf über 56.000 Quadratmetern wachsen mehr als 7.000 Bananenstauden und rund 25 verschiedene Sorten, inklusive der roten Banane, die man sonst kaum zu sehen bekommt (schmeckt außergwöhnlich). Eine Führung dauert circa 45 Minuten und endet mit einer Verkostung: frischer Bananen in mehreren Sorten, dazu Bananenlikör, -marmelade und -wein. Genau der süße, streichfähige Bananenaufstrich, den wir mit nach Hause genommen haben, gibt's im angeschlossenen Hofladen zu kaufen.

Praktisch: Die Gruppen können an belebten Tagen recht groß werden. Wer eine ruhigere, persönlichere Führung möchte, bucht am besten einen der ersten Slots am Vormittag oder geht sehr spät hin, wie wir, wir waren nur fünf Personen.

Mercado de Vegueta: schlemmen wie die Einheimischen

In Las Palmas selbst lohnt sich ein Abstecher in die Altstadt Vegueta, genauer: in den Mercado de Vegueta. Die Markthalle wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut und ist damit eine der ältesten Spaniens – an rund 80 bis 100 Ständen gibt es frisches Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse und Gewürze, alles schön regional. Zwischen exotischen Früchten aus dem Süden der Insel und dem kanarischen Ziegenkäse "Queso de Flor" merkt man schnell: Hier kaufen Restaurantbesitzer und Nachbarschaft ein, keine Touristenmassen.

Ein Besuch am späten Vormittag unter der Woche ist entspannter als samstags kurz vor Ladenschluss. Und: nicht vorher großartig Frühstücken – an fast jedem Obststand darf man probieren, bevor man kauft. Nehmt dieses Angebot an, sonst kauft ihr etwas, was zwar lecker aussieht, aber dann für den eignen Gaumen doch nicht schmeckt.

Roque Nublo: die Aussicht, für die man sich anstrengen muss

Für alle, die auf der Insel auch mal wandern wollen, führt kein Weg am Roque Nublo vorbei, dem Wahrzeichen Gran Canarias mitten im Bergland. Vom klassischen Startpunkt am Parkplatz La Goleta/Degollada de la Cumbre sind es rund 45 bis 60 Minuten reiner Gehzeit bis zum Felsplateau, insgesamt etwa 6 Kilometer und 200 bis 250 Höhenmeter im Rundweg. Der Weg ist grundsätzlich gut markiert, führt aber über steile, teils schmale und geröllige Passagen kurz vor dem Ziel – für Personen mit Gleichgewichts- oder Konditionsproblemen tatsächlich keine gute Idee, wie ihr schon vermutet habt. Festes Schuhwerk ist Pflicht, Wanderstöcke helfen.

Die Belohnung oben: ein 360-Grad-Blick über die Caldera von Tejeda, bei klarer Sicht bis zum schneebedeckten Teide auf Teneriffa.

Wichtig für die Planung: Seit Februar 2025 braucht man für den Roque Nublo ein kostenloses Permit, und der frühere Parkplatz am Startpunkt ist für Individualreisende gesperrt – man kommt nur noch mit Shuttlebussen hin (oder läuft von einem weiter entfernten Parkplatz aus zusätzlich ca. eine Stunde). Das Ticket samt Shuttle-Fahrplan gibt's über die offizielle Reservierungsseite des Cabildo de Gran Canaria. Unbedingt vorher checken, bevor man wie früher einfach hinfährt – sonst steht man vor einer abgesperrten Straße.

Fazit

Gran Canaria kann beides: Nichtstun am Strand und einen waschechten Insel-Trip mit Geschichte, Geschmack und Schweißtropfen. Wer nur eine Sache aus diesem Bericht mitnimmt: Arucas an einem Vormittag mit Rum-Destillerie und Bananenfarm verbinden, und für den Roque Nublo rechtzeitig das Permit sichern – dann steht dem Postkarten-Blick auf Teneriffa nichts mehr im Weg.

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