Mit dem eigenen Auto in den Norden Schottlands

Drei Wochen zwischen Cairngorms, Orkney und der wilden Nordwestküste
Grossbritannien
Matthias Thiel
17.10.2026
•
5 min Lesezeit

Im Juni 2026 sind wir drei Wochen mit dem eigenen Auto durch den Norden Schottlands gereist. Unsere Route führte von Newcastle über Edinburgh und die Cairngorms bis auf die Orkney-Inseln und anschließend weiter in den abgelegenen Nordwesten nach Kinlochbervie und Applecross.

Schon die Anreise war Teil der Reise. Statt durch Frankreich und England zu fahren, haben wir die Nachtfähre von IJmuiden bei Amsterdam nach Newcastle genommen. Das war für uns die deutlich entspanntere Variante: Am Abend auf das Schiff, in der Kabine schlafen und am nächsten Morgen in Nordengland ankommen.

Von Newcastle aus sind wir nicht direkt nach Edinburgh gefahren, sondern haben uns Zeit für die Küste von Northumberland genommen. Ein Spaziergang am Meer und der Blick auf Bamburgh Castle waren ein perfekter Einstieg.

Edinburgh als Auftakt

In Edinburgh hatten wir nur einen vollen Tag, hätten aber problemlos länger bleiben können. Besonders gefallen haben uns die mittelalterlichen Gassen der Altstadt, eine geführte Tour durch das historische Zentrum und der Aufstieg auf den Arthur's Seat.

Für eine Rundreise würde ich heute mindestens zwei volle Tage für Edinburgh einplanen und den Mietwagen erst bei der Weiterfahrt übernehmen. In der Stadt selbst ist er eher hinderlich.

Ruhige Tage in den Cairngorms

Von Edinburgh ging es weiter in die Cairngorms. Hier verändert sich die Landschaft deutlich: Kiefernwälder, Seen und offene Hochflächen bestimmen das Bild.

Wir haben mehrere Nächte in Boat of Garten verbracht und genau das war rückblickend eine sehr gute Entscheidung. Statt täglich weiterzufahren, blieb Zeit für Wanderungen und spontane Ausflüge, etwa zum Loch an Eilein, Loch Morlich oder in die Berge rund um Aviemore.

Gerade diese längeren Aufenthalte haben die Reise für uns entspannter gemacht.

Orkney als Höhepunkt der Reise

Von Scrabster aus setzten wir mit der Fähre nach Stromness über. Orkney hat uns stärker beeindruckt, als wir vor der Reise erwartet hatten.

Die Inseln wirken offener und grüner als die Highlands, gleichzeitig begegnet einem überall Geschichte. Skara Brae, der Ring of Brodgar und die Standing Stones of Stenness liegen fast selbstverständlich in der Landschaft.

Ein besonderer Höhepunkt war für uns ein Tagesausflug nach Hoy. Von Rackwick Beach sind wir zum Old Man of Hoy gewandert. Die Kombination aus Klippen, Meer und der fast völligen Ruhe gehört zu den eindrucksvollsten Momenten unserer gesamten Reise.

Der wilde Nordwesten

Nach der Rückkehr aufs Festland wurde die Landschaft immer karger und einsamer. Rund um Kinlochbervie fanden wir genau das Schottland, das wir gesucht hatten: schmale Straßen, leere Strände und viel Raum.

Besonders beeindruckt haben uns Oldshoremore Beach und die Wanderung zur Sandwood Bay. Beide Orte sind landschaftlich spektakulär, ohne überlaufen zu wirken.

Hier hätten wir im Nachhinein problemlos noch ein oder zwei zusätzliche Tage verbringen können.

Applecross und der Bealach na Bà

Weiter südlich führte uns die Route nach Applecross. Schon die Fahrt dorthin gehört zu den schönsten Strecken Schottlands.

Die berühmte Passstraße Bealach na Bà ist spektakulär, aber Applecross hat uns vor allem wegen seiner ruhigen Atmosphäre gefallen. Kleine Buchten, Ausblicke auf Skye und Raasay und frische Meeresfrüchte im Applecross Inn sorgten dafür, dass wir hier automatisch einen Gang heruntergeschaltet haben.

Rückfahrt durch Glencoe und Loch Lomond

Auf dem Rückweg Richtung Newcastle kamen wir noch durch Glencoe und die Gegend um Loch Lomond.

Die Landschaft ist ohne Frage beeindruckend, gleichzeitig merkt man sofort, dass man wieder in einer der bekanntesten Reiseregionen Schottlands unterwegs ist. Größere Parkplätze, Reisebusse und deutlich mehr Besucher standen im starken Kontrast zu den ruhigen Tagen im Norden.

Gerade dadurch wurde uns noch einmal bewusst, wie besonders die abgelegeneren Regionen zuvor gewesen waren.

Unser Fazit

Wir würden diese Rundreise wieder sehr ähnlich planen.

Besonders gut gefallen hat uns das langsame Reisetempo mit mehreren Nächten an einem Ort. Dadurch blieb genug Zeit für Wanderungen, spontane Stopps und auch für schlechtes Wetter.

Wenn wir etwas ändern würden, dann vor allem eines: noch mehr Zeit für Orkney und den Nordwesten einplanen.

Für Reisende, die Schottland nicht nur auf den klassischen Routen erleben möchten, ist diese Kombination aus Cairngorms, Orkney, Nordwestküste und Applecross aus meiner Sicht besonders spannend. Wer Natur, Roadtrips und ruhige Landschaften mag, bekommt hier sehr unterschiedliche Seiten Schottlands auf einer einzigen Reise zu sehen.

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