Amalfiküste

Zwischen Dolce Vita, Positano und der schönsten Zitronenfarm Italiens
Italien
Christiane Seliger
17.10.2026
•
5 min Lesezeit

Die Amalfiküste stand schon lange auf meiner Reiseliste. Diese bunten Häuser, die steilen Klippen, das türkisfarbene Meer und dieses typische italienische Lebensgefühl – genau das, was man sich unter „Dolce Vita“ vorstellt.

Nachdem unsere Sardinien-Reise zu Ende ging, ging es für uns weiter nach Rom und anschließend an die Amalfiküste. Unsere Route führte uns von Rom Termini mit dem Zug nach Salerno und von dort mit der Fähre weiter nach Positano.

Und ich kann direkt vorwegnehmen: Die Amalfiküste ist wunderschön. Aber sie ist auch speziell. Zwischen Instagram-Hype, überfüllten Gassen, teilweise absurden Preisen und ganz besonderen Momenten liegen manchmal nur wenige Meter.

Gerade diese Mischung hat die Reise aber so besonders gemacht.

Mit dem Zug von Rom nach Salerno – entspannt Richtung Amalfiküste

Nach unserem Aufenthalt in Rom ging es für uns weiter Richtung Süden. Wir sind von Rom Termini mit dem Zug nach Salerno gefahren.

Eigentlich wollten wir unsere Tickets ganz normal am Automaten kaufen, aber wie so oft in Italien kam direkt jemand zur Hilfe. Eine Mitarbeiterin hat uns gefragt, wo wir hinmöchten, uns den passenden Zug herausgesucht und direkt die Tickets verkauft.

Einfach, unkompliziert und wieder einmal unglaublich freundlich.

Wir hatten Tickets für die zweite Klasse und trotzdem war die Zugfahrt wirklich angenehm. Der Zug fuhr pünktlich los, wir hatten feste Sitzplätze und was ich tatsächlich so noch nicht erlebt hatte: Es kam sogar ein kleiner Servierwagen durch den Zug. Es gab Getränke und einen kleinen Snack dazu.

Klar, es ist keine Weltreise – aber genau diese kleinen Dinge machen das Reisen für mich aus.

In Salerno angekommen, mussten wir uns erst einmal orientieren und den Hafen finden. Mit Google Maps beziehungsweise Apple Karten war das aber überhaupt kein Problem. Der Weg war gut machbar und auch die Fähre nach Positano zu finden, war einfacher, als gedacht.

Die Tickets konnten wir direkt am Hafen kaufen. Es gab verschiedene Linien und die Abfahrtszeiten waren gut ausgeschildert. Auch wenn zwischendurch kurz Verwirrung herrschte, welche Fähre jetzt unsere war, wurde uns sofort weitergeholfen.

Dann ging es endlich los: Mit der Fähre entlang der Küste Richtung Positano.

Positano – wunderschön, aber auch unglaublich voll

Schon die Anfahrt nach Positano war beeindruckend. Die bunten Häuser, die sich an die Felsen schmiegen, das Meer und diese besondere Kulisse – man versteht sofort, warum dieser Ort so beliebt ist.

Bei unserer Ankunft am einzigen öffentlichen Strandabschnitt von Positano war allerdings direkt klar: Hier sind viele Menschen.

Sehr viele Menschen.

Mit uns kamen zahlreiche Tagesausflügler mit der Fähre an, die nur für ein paar Stunden in Positano bleiben wollten. Entsprechend voll waren die Gassen und der Bereich rund um den Hafen.

Kaum von der Fähre runter, wurden wir direkt angesprochen, ob wir einen Gepäcktransport zu unserem Hotel benötigen würden.

Unser Handgepäckkoffer hätte bis zur Mittelstation etwa 20 Euro gekostet, bis ganz nach oben sogar rund 40 Euro pro Koffer. Da wir aber nur mit kleinem Gepäck unterwegs waren und laut Karten-App nur etwa 15 Minuten laufen sollten, entschieden wir uns dagegen.

Also machten wir uns mit unseren Koffern auf den Weg durch Positano.

Mit Gepäck durch die engen, vollen Gassen von Positano zu laufen, war definitiv eine Erfahrung. Vor allem, weil unser Hotel ziemlich weit oben lag. Aber irgendwie gehört auch genau das dazu.

Später fanden wir heraus, dass man auch über Treppenwege deutlich angenehmer nach unten kommt. Positano ist eben nicht nur schön – es ist auch sportlich.

Unser Boutique-Hotel in Positano – ein echtes Highlight

Unser Hotel lag oberhalb von Positano und war ein kleines Boutique-Hotel mit nur wenigen Zimmern.

Schon beim Betreten haben wir uns direkt wohlgefühlt.

Unser Zimmer war komplett im Zitronenstil eingerichtet: warme Gelbtöne, kombiniert mit Blau, liebevolle Details und ein Balkon mit Blick aufs Meer.

Besonders schön fand ich das Fenster mit der kleinen Sitzbank direkt zum Meer. Einfach morgens dort sitzen, den Blick schweifen lassen und kurz vergessen, dass man überhaupt irgendwo hinmuss.

Das Bett war unglaublich gemütlich und alles wirkte sehr persönlich gestaltet.

Genau das ist für mich der Vorteil kleiner Boutique-Hotels: Es fühlt sich nicht anonym an. Man kennt sich, bekommt Tipps und fühlt sich eher wie ein Gast als wie eine Zimmernummer.

Auch Sarah und Elvira vom Hotel waren unglaublich herzlich. Sie haben uns direkt Restauranttipps gegeben, Ausflüge empfohlen und uns bei allem unterstützt.

Am Abend sind wir dann wieder Richtung Positano gelaufen. Da die meisten Tagesgäste mittlerweile verschwunden waren, zeigte sich der Ort plötzlich von einer ganz anderen Seite.

Die Gassen waren leerer.

Der Strand war ruhig.

Und plötzlich konnte man Positano wirklich genießen.

Wir haben uns keine große Restauranttour gemacht, sondern einfach eine Pizza geholt, uns an den Strand gesetzt und dazu einen Aperol beziehungsweise Limoncello Spritz getrunken.

Und ganz ehrlich: Viel mehr braucht es manchmal nicht.

Frühstück mit Meerblick und ein entspannter Tag in Positano

Am nächsten Morgen gab es erst einmal Frühstück.

Und dieses Frühstück war wirklich ein Erlebnis.

Jeden Abend bekamen wir eine Liste, auf der wir für den nächsten Morgen ankreuzen konnten, was wir gerne essen möchten. Und die Auswahl war wirklich verrückt.

Obstplatten, Porridge, Eier, Avocado, Tomate-Mozzarella, Lachs, verschiedene Getränke – alles wurde wunderschön angerichtet.

Dazu gab es jeden Morgen Zitronenwasser und einen leckeren Latte Macchiato.

Nach dem Frühstück wollten wir Positano noch einmal ohne Gepäck erkunden.

Also ging es wieder runter in den Ort.

Und ja – es war wieder voll.

Sehr voll.

Die berühmten Zitronenkleider, die kleinen Boutiquen und die Instagram-Spots sind natürlich wunderschön anzusehen. Aber gleichzeitig merkt man auch schnell, dass Positano extrem vom Social-Media-Hype lebt.

Ein Zitronenkleid für 140 Euro? Kann man machen. Muss man aber nicht.

Wir haben lieber die Atmosphäre genossen, sind durch die kleinen Gassen geschlendert und haben uns einfach treiben lassen.

Mein Tipp für Positano: Wenn ihr den Ort wirklich erleben möchtet, kommt früh morgens oder bleibt bis zum Abend. Genau dann zeigt Positano seine schönste Seite.

Capri als Tagesausflug – wunderschön, aber nicht mein persönliches Highlight

Am nächsten Tag ging es für uns mit der Fähre nach Capri.

Wir hatten vorher keine große Planung gemacht und dachten uns: Wird schon passen.

Rückblickend würde ich das anders machen.

Capri ist wunderschön, aber ohne Plan verliert man schnell Zeit. Wir sind angekommen und direkt mitten im Trubel gelandet.

Natürlich wollten wir das berühmte Zitronensorbet probieren.

Also haben wir uns hingesetzt, ein Zitronensorbet bestellt und dazu noch einen Aperol getrunken.

Was soll ich sagen?

Es war lecker.

Aber der Preis war definitiv ein Erlebnis.

Für zwei Zitronensorbets und zwei Aperol haben wir knapp 80 Euro bezahlt.

Für mich war das der Moment, wo ich dachte: Okay, Capri hat seinen Preis.

Danach sind wir noch weiter nach oben gelaufen, haben die Aussicht genossen und sind durch die Luxusgeschäfte geschlendert. Louis Vuitton und Co. waren vertreten – wir haben uns allerdings eher wie Besucher aus einer anderen Welt gefühlt.

Capri ist schön, keine Frage.

Aber wenn ich noch einmal hinfahren würde, würde ich deutlich besser planen. Vielleicht mit einem Fahrer, einer geführten Tour oder einem klaren Plan, welche Orte ich sehen möchte.

Die Lemon Tour – das schönste Erlebnis an der Amalfiküste

Und dann kam das Erlebnis, das für mich die gesamte Amalfiküste geprägt hat.

Die Lemon Tour.

Eigentlich wollten wir nach unserem Capri-Tag fast absagen. Das Wetter war bewölkt, wir waren etwas enttäuscht von Capri und hatten morgens beim Frühstück nicht so richtig Motivation.

Aber wir hatten die Tour bereits bezahlt.

Also sind wir gegangen.

Und zum Glück.

Die Lemon Tour kostet zwar 95 Euro pro Person, aber sie war jeden Cent wert.

Wir waren nur eine kleine Gruppe von vier Personen. Neben uns waren noch zwei Mädels aus Amerika dabei, mit denen wir uns direkt super verstanden haben.

Statt einer klassischen Tour mit Reisegruppe landeten wir mitten auf einer kleinen Zitronenfarm, die in die Felsen gebaut war.

Wir haben die Zitronenbäume kennengelernt, viel über den Anbau erfahren und einen Einblick in das echte Leben an der Amalfiküste bekommen.

Danach wurde für uns auf der Terrasse ein Essen vorbereitet.

Es gab Salat, frische Zitronenprodukte und natürlich Lemon Pasta.

Und diese Pasta war unglaublich lecker.

Ich hätte nie gedacht, dass Zitronennudeln so gut schmecken können.

Besonders schön war, dass alles so familiär war. Die Besitzer haben sich Zeit genommen, mit uns gesprochen und wir hatten nicht das Gefühl, einfach nur eine Touristin auf einer Liste zu sein.

Zur Farm gehörte sogar ein kleiner privater Strandabschnitt, den wir danach hätten nutzen können.

Keine Menschenmassen.

Keine überfüllte Badebucht.

Einfach Ruhe.

Genau solche Momente bleiben von einer Reise hängen.

Italienische Spezialitäten direkt von der Zitronenfarm nach Hause

Und tatsächlich hat sich dort auch mein kleines Paketproblem gelöst.

Schon auf Sardinien hatte ich versucht, italienische Lebensmittel nach Hause zu schicken. Aber irgendwie hat es nie funktioniert. Entweder war die Post geschlossen oder irgendetwas hat gefehlt.

Die Zitronenfarm an der Amalfiküste verschickt ihre Produkte weltweit.

Also habe ich zugeschlagen.

Zehn Kilo Zitronen, mehrere Flaschen Olivenöl, Limoncello und weitere italienische Spezialitäten wurden kurzerhand nach Deutschland geschickt.

Und ich würde jederzeit wieder dort bestellen.

Nicht nur, weil die Produkte unglaublich gut sind, sondern weil ich weiß, wo sie herkommen und welche Menschen dahinterstehen.

Aus einer einfachen Lemon Tour sind echte Kontakte entstanden.

Und genau das liebe ich am Reisen.

Mein Fazit zur Amalfiküste – würde ich wiederkommen?

Ja.

Aber anders.

Die Amalfiküste ist wunderschön und Positano gehört definitiv zu den Orten, die man einmal gesehen haben sollte. Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass die Region extrem touristisch ist.

Mein größter Tipp: Nehmt euch Zeit.

Versucht nicht, jeden Ort abzuhaken.

Genießt lieber ein langes Frühstück mit Meerblick, einen Spaziergang durch leere Gassen am Abend, eine Pizza am Strand oder einen kleinen Ausflug, den ihr nicht auf jeder Top-10-Liste findet.

Capri würde ich persönlich beim nächsten Mal anders planen oder vielleicht sogar auslassen.

Dafür würde ich definitiv wieder eine Lemon Tour machen.

Denn genau diese Momente – die Begegnungen, die kleinen Geschichten und die besonderen Erlebnisse – machen für mich eine Reise unvergesslich.

Die Amalfiküste ist nicht perfekt.

Aber vielleicht macht genau das ihren Charme aus.
 

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Italien

Von der Toskana bis nach Sizilien – eine Reise, zwei völlig unterschiedliche Welten

Toskana & Sizilien – wie eine Zugfahrt meine Liebe zu Süditalien noch größer machte Nach meiner ersten Italienreise war für mich eines klar: Das würde nicht das letzte Mal gewesen sein. Anfang 2025 zog es mich deshalb erneut nach Italien. Eigentl
Christiane Seliger
17.10.2026
•
5 min Lesezeit

Toskana & Sizilien – wie eine Zugfahrt meine Liebe zu Süditalien noch größer machte

Nach meiner ersten Italienreise war für mich eines klar: Das würde nicht das letzte Mal gewesen sein.

Anfang 2025 zog es mich deshalb erneut nach Italien. Eigentlich wollte ich nur dem grauen deutschen Winter entfliehen. Daraus wurde am Ende eine mehrwöchige Reise, die unterschiedlicher kaum hätte sein können.

Der erste Teil führte mich gemeinsam mit einer Freundin in die Toskana. Danach ging es für mich alleine weiter – mit dem Nachtzug bis nach Sizilien.

Und genau diese Kombination hat diese Reise so besonders gemacht.

Die Toskana im Winter – eine ganz andere Seite Italiens

Unsere ersten Tage verbrachten wir in der Toskana. Auf dem Programm standen natürlich die Klassiker: Florenz, Pisa und eine Weinverkostung im Chianti-Gebiet.

Florenz haben wir komplett auf eigene Faust erkundet. Ehrlich gesagt braucht man dort gar nicht unbedingt einen straffen Sightseeing-Plan. Gerade die kleinen Gassen, die Cafés, die historischen Plätze und die besondere Atmosphäre machen den Charme dieser Stadt aus.

Natürlich kann man auf die Domkuppel steigen oder verschiedene Museen besuchen. Uns hat es aber völlig gereicht, einfach durch die Stadt zu schlendern, hier und da in kleine Läden zu schauen und den italienischen Alltag aufzusaugen.

Besonders überrascht hat mich allerdings die Reisezeit.

Wir waren Ende Februar dort. Natürlich war es noch zu kalt für kurze Hosen und T-Shirts – den Wintermantel hatten wir definitiv noch dabei. Dafür waren die Straßen angenehm leer. Kein Gedränge, keine langen Warteschlangen und deutlich entspannter als in den Sommermonaten.

Gerade wenn ihr Städte lieber in Ruhe erkundet, würde ich die Toskana außerhalb der Hauptsaison jederzeit wieder empfehlen.

Durch die Weinberge des Chianti

Ein echtes Highlight war unser Ausflug ins Chianti-Gebiet.

Über GetYourGuide hatten wir eine Tour inklusive Weinverkostung gebucht und besuchten zwei verschiedene Weingüter mitten in den sanften Hügeln der Toskana.

Allein die Landschaft war schon den Ausflug wert. Endlose Weinreben, kleine Dörfer, Zypressen und diese typisch toskanischen Straßen, die man sonst nur aus Filmen kennt.

Die Weinverkostungen haben natürlich ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen. Da wir vorher ehrlich gesagt nicht besonders viel gegessen hatten, machte sich der Wein auch ziemlich schnell bemerkbar. Im Nachhinein gehört genau das aber zu den Momenten, über die wir heute noch lachen müssen.

Trotzdem würde ich den Ausflug heute wahrscheinlich etwas anders planen.

Damals waren wir mit einem Reisebus unterwegs. Das war zwar unkompliziert, aber mittlerweile würde ich mir lieber einen Mietwagen nehmen und die Toskana ganz individuell erkunden. Einfach dort anhalten, wo es gerade schön ist, spontan in einem kleinen Weingut einkehren und den Tag ohne festen Zeitplan genießen.

Genau so stelle ich mir die Toskana heute vor – am liebsten sogar mit einem kleinen Cabrio.

Die Ausflüge, die ich selbst empfehlen kann, findet ihr natürlich wieder gesammelt in meinem persönlichen Aktivitäten-Guide.

Mit dem Nachtzug nach Sizilien

Nach einigen wunderschönen Tagen verabschiedete sich meine Freundin wieder Richtung Deutschland.

Für mich begann jetzt der zweite Teil der Reise – und auf den hatte ich mich fast noch mehr gefreut.

Ich stieg in Pisa in den Nachtzug und fuhr quer durch Italien bis ganz in den Süden.

Allein diese Zugfahrt war schon ein Erlebnis.

Am nächsten Morgen erreichte ich das italienische Festland bei Reggio Calabria. Von dort ging es weiter mit der Fähre nach Sizilien.

Ich weiß gar nicht genau, warum mich dieser Moment so begeistert hat. Wahrscheinlich, weil ich plötzlich merkte, wie unkompliziert Reisen eigentlich sein kann.

Ich musste nicht noch einmal zum Flughafen, kein weiteres Mal einchecken oder durch Sicherheitskontrollen. Ich stieg einfach aus dem Zug, kaufte mir direkt am Hafen ein Fährticket, setzte innerhalb kurzer Zeit auf die Insel über und fuhr anschließend wieder ganz entspannt mit dem Zug weiter.

Irgendwie hatte das etwas unglaublich Entschleunigendes.

Sizilien – Liebe auf den ersten Blick

Von der Fähre ging es weiter nach Cefalù, wo meine Sprachschule lag.

Und genau auf dieser Zugfahrt passierte etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Sizilien hatte mich innerhalb weniger Minuten komplett für sich gewonnen.

Es war Ende Februar beziehungsweise Anfang März und trotzdem herrschten dort angenehme 16 Grad. Während in Deutschland noch Winter war, schien hier die Sonne vom Himmel.

Links glitzerte das tiefblaue Meer, rechts zogen Palmen, Zitronen-, Orangen- und Avocadoplantagen vorbei. Dazwischen kleine Dörfer, grüne Hügel und in der Ferne der Ätna.

Ich hatte vorher ehrlich gesagt überhaupt nicht erwartet, dass Sizilien so grün ist.

In meinem Kopf war die Insel eher trocken und karg.

Die Realität sah komplett anders aus.

Je weiter der Zug Richtung Cefalù fuhr, desto mehr war ich einfach nur sprachlos. Diese Mischung aus Bergen, Meer, mediterraner Vegetation und dem allgegenwärtigen Vulkan im Hintergrund hat mich vom ersten Moment an begeistert.

Noch bevor ich überhaupt in meiner Unterkunft angekommen war, wusste ich bereits:

Diese Insel wird etwas ganz Besonderes.

Eine Woche Italienisch lernen – und dabei Sizilien kennenlernen

Mein Zuhause für die kommende Woche war die Solemar Academy in Cefalù.

Ich hatte mich bewusst für einen Sprachkurs entschieden und direkt über die Sprachschule ein Zimmer in einer WG gebucht. Wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich immer noch ein bisschen über mich selbst lachen. Dass ich das wirklich gemacht habe, hätte ich mir ein paar Jahre vorher niemals zugetraut.

Rückblickend war es aber genau die richtige Entscheidung.

Ich wohnte mit zwei jungen Frauen zusammen, die beide bereits auf Sizilien lebten. Dadurch bekam ich nicht nur einen Sprachkurs, sondern auch ein kleines Stück italienischen Alltag mit.

Da die Sprachschule gerade erst aus der Winterpause zurückkam, waren wir in meiner Woche insgesamt nur drei Sprachschüler. Für mich bedeutete das einen riesigen Vorteil: Ich bekam praktisch Einzelunterricht.

Jeden Morgen begann der Unterricht gegen neun Uhr und ging bis mittags. Danach gab es Hausaufgaben – und genau die habe ich auch ernst genommen.

Denn ich war nicht nach Sizilien gereist, um möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Ich wollte die Sprache lernen.

Also verbrachte ich meine Nachmittage damit, Vokabeln zu lernen, Grammatik zu üben und das Gelernte direkt im Alltag anzuwenden.

Ich ging zum Bäcker, kaufte Obst und Gemüse auf den kleinen Wochenmärkten, bestellte mein Gelato auf Italienisch und versuchte, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Gerade diese kleinen Momente haben mir unglaublich viel gebracht.

Besonders begeistert haben mich die vielen kleinen Obst- und Gemüseläden in Cefalù.

Alles wirkte frisch, regional und irgendwie viel ursprünglicher als ich es aus Deutschland kannte. Die Erdbeeren hatten tatsächlich Geschmack, die Orangen schmeckten nach Sonne und selbst ein einfacher Einkauf fühlte sich plötzlich nach Urlaub an.

Meine Nachmittage verliefen deshalb meistens ganz entspannt.

Ich machte meine Hausaufgaben, lernte noch ein bisschen Italienisch, ging am Strand spazieren, fotografierte mit meiner Kamera, machte Yoga oder setzte mich einfach mit einem Gelato ans Meer.

Abends wurde dann gekocht oder ich probierte eines der kleinen Restaurants in der Altstadt aus.

Genau diese Mischung aus Lernen, Entschleunigung und italienischem Alltag machte diese Woche für mich so besonders.

Palermo – der perfekte Abschluss

Nach meinem letzten Unterrichtstag wollte ich die Insel aber natürlich nicht verlassen, ohne wenigstens noch eine ihrer bekanntesten Städte kennenzulernen.

Also fuhr ich mit dem Zug nach Palermo.

Allein diese Zugfahrt war wieder völlig unkompliziert. Genau das liebe ich mittlerweile an Italien: Man kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft erstaunlich entspannt von A nach B.

Für meine letzte Nacht hatte ich ein kleines Boutique-Hotel in der Nähe des Hafens gebucht.

Und Palermo überraschte mich.

Besonders der Hafen mit seinen Bars und Restaurants hat mir unglaublich gut gefallen. Abends saßen dort Menschen zusammen, lachten, unterhielten sich und genossen einfach den Abend.

Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass Palermo selbst Anfang März schon voller Leben war.

In den Straßen spielte Musik, die Restaurants waren gut besucht und überall herrschte diese besondere italienische Atmosphäre, die ich mittlerweile so liebe.

Mein Rückflug ging bereits früh am nächsten Morgen.

Trotzdem machte mir selbst die Heimreise keinen Stress. Vom Hotel lief ich einfach zum Bahnhof, stieg in den Zug zum Flughafen und wenige Minuten später saß ich bereits auf dem Weg nach Hause.

Einfacher hätte die Rückreise kaum sein können.

Warum ich definitiv zurückkehren werde

Diese Reise war anders als meine bisherigen Italienurlaube.

Ich habe in dieser Woche längst nicht alle Sehenswürdigkeiten Siziliens gesehen.

Ich war weder auf dem Ätna noch in Catania, habe viele Strände ausgelassen und Palermo eigentlich nur angerissen.

Aber genau deshalb weiß ich heute schon, dass ich zurückkommen werde.

Denn während andere Reiseziele für mich irgendwann abgeschlossen sind, hatte ich bei Sizilien eher das Gefühl, gerade erst angefangen zu haben.

Schon während meines Aufenthalts plante ich gedanklich meine nächste Rundreise über die Insel.

Dann mit mehr Zeit.

Mit einem Mietwagen.

Und mit deutlich besseren Italienischkenntnissen.

Denn Sizilien hat mich nicht nur landschaftlich begeistert.

Es hat mir gezeigt, wie schön es sein kann, eine Reise einmal nicht nach Sehenswürdigkeiten zu planen, sondern nach Erlebnissen.

Und genau deshalb gehört diese Woche bis heute zu meinen persönlich wertvollsten Reisen.

Tschechien

Harrachov im Riesengebirge

Manchmal sind es gerade die Reisen, von denen man vorher nicht besonders viel erwartet, die am Ende besonders lange im Kopf bleiben. Harrachov im Riesengebirge war für mich genau so eine Reise. Im Oktober 2024 bin ich mit einer Freundin für knapp ein
Christiane Seliger
17.10.2026
•
5 min Lesezeit

Manchmal sind es gerade die Reisen, von denen man vorher nicht besonders viel erwartet, die am Ende besonders lange im Kopf bleiben.

Harrachov im Riesengebirge war für mich genau so eine Reise.

Im Oktober 2024 bin ich mit einer Freundin für knapp eine Woche nach Tschechien gefahren. Unser Plan war eigentlich ziemlich simpel: ein schönes, modernes Wellnesshotel, ein bisschen wandern, gut essen und vor allem runterkommen.

Keine Bucketlist, die wir abarbeiten mussten. Keine Sehenswürdigkeiten, die wir unbedingt sehen wollten. Einfach ein paar Tage raus aus dem Alltag.

Dass aus dieser entspannten Wellness-Auszeit am Ende unter anderem eine 30-Kilometer-Wanderung durch das Riesengebirge werden würde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht ahnen.

Und genau das ist irgendwie typisch für uns.

Harrachov im Riesengebirge: Entspannte Auszeit nur vier Stunden von Deutschland entfernt

Harrachov liegt im Norden Tschechiens direkt am Rand des Riesengebirges und ist von Deutschland aus mit dem Auto überraschend schnell erreichbar.

Wir sind selbst mit dem Auto angereist und waren ungefähr vier Stunden unterwegs. Für einen Kurzurlaub oder eine spontane Auszeit ist die Region deshalb wirklich praktisch.

Unser Ziel war vor allem Erholung.

Wir hatten uns ein kleines, modernes Wellnesshotel ausgesucht, das im Vergleich zu vielen Unterkünften in den klassischen Alpenregionen erstaunlich günstig war. Unser Zimmer war modern eingerichtet, das Essen war gut und besonders schön war der Wellnessbereich.

Die Sauna hatte sogar einen direkten Blick auf die Skipiste.

Da wir im Oktober und damit außerhalb der Wintersaison dort waren, war im Hotel außerdem kaum etwas los. Teilweise hatten wir das Gefühl, den Wellnessbereich fast für uns alleine zu haben.

Genau das hatte ich mir unter einer Auszeit vorgestellt.

Und trotzdem waren wir fast jeden Tag unterwegs.

Ich merke mittlerweile, dass meine Reisen eigentlich fast immer aktiv sind. Strandurlaub, bei dem ich eine Woche lang nur auf einer Liege liege, ist einfach nicht so mein Ding.

Ich brauche Bewegung.

Und am liebsten verbinde ich sie mit Natur, gutem Essen und ein bisschen Wellness.

Harrachov hat dafür überraschend gut funktioniert.

Harrachov Sehenswürdigkeiten: Mit der Seilbahn ins Riesengebirge

Am ersten Tag wollten wir es trotzdem ruhig angehen lassen.

Eine der bekanntesten Attraktionen in Harrachov ist die Seilbahn, die direkt im Ort startet. Also entschieden wir uns, einfach einmal hochzufahren und anschließend zu Fuß wieder zurückzugehen.

Ein ziemlich guter Plan – zumindest theoretisch.

Oben angekommen, wurden wir direkt mit einer wunderschönen Herbstlandschaft belohnt. Im Oktober hatte sich das Laub bereits goldgelb verfärbt und überall im Wald entdeckten wir Pilze.

Wir sammelten einige davon und nahmen sie mit zurück ins Hotel, wo wir sie später in unserem Zimmer zum Trocknen auslegten.

Ein bisschen ungewöhnlich, aber irgendwie gehörte genau das zu unserer Reise.

Auf dem Weg nach unten entdeckten wir außerdem einen Regenbogen.

Und irgendwann verloren wir natürlich den Weg.

Wir liefen querfeldein und waren irgendwann nicht mehr ganz sicher, ob wir überhaupt noch auf einem offiziellen Wanderweg unterwegs waren.

Aber gut: Wir kamen wieder unten an.

Und genau deshalb würde ich diesen Tag auch nicht als Wanderung im klassischen Sinne bezeichnen. Es war eher unser erster kleiner Vorgeschmack darauf, dass wir in dieser Woche vielleicht nicht immer ganz nach Plan unterwegs sein würden.

Am Abend blieben wir im Hotel und aßen dort zu Abend.

Böhmische Küche, ein gemütliches Hotel und danach Sauna – für den ersten Urlaubstag konnte es schlechter laufen.

Ausflug von Harrachov Richtung Polen: Shopping und ein Wasserfall im Wald

Am nächsten Tag wollten wir etwas mehr von der Umgebung sehen.

Wir fuhren mit dem Auto Richtung Polen und verbanden den Ausflug kurzerhand mit einem Shoppingtrip.

Auf dem Rückweg machten wir spontan noch einen Stopp an einem Wasserfall, der mitten im Wald lag.

Vom Parkplatz aus führte ein Weg ungefähr eine halbe Stunde durch den Wald bis zur Wasserfallanlage. Für das Parken mussten wir eine kleine Gebühr bezahlen.

Schon am Weg dorthin merkte man, dass der Wasserfall eine beliebte Ausflugsattraktion in der Region ist. Vor Ort gab es sogar einen kleinen Imbiss, an dem man sich hinsetzen und etwas essen oder trinken konnte.

Nach dem Shopping war dieser spontane Zwischenstopp eigentlich genau das Richtige.

Wir schauten uns den Wasserfall an, liefen anschließend zurück zum Auto und fuhren wieder nach Harrachov.

Abends ging es diesmal nicht ins Hotelrestaurant, sondern in eine kleine Kneipe im Ort.

Und daraus wurde kurzerhand unsere Stammkneipe für den Rest des Aufenthalts.

Felsenstadt Adršpach: Ein Must-See im Riesengebirge

Am nächsten Tag stand für mich eines der schönsten Ausflugsziele unserer Reise auf dem Programm: die Felsenstadt Adršpach.

Wenn du im Riesengebirge unterwegs bist, würde ich diesen Ausflug definitiv einplanen.

Die Felsenstadt ist eine beeindruckende Landschaft aus riesigen Sandsteinformationen, schmalen Wegen und natürlichen Felsentoren. Durch die Felsen führt ein gut ausgebauter Rundweg, sodass man die Anlage entspannt erkunden kann.

Der Eintritt kostet zwar etwas, aber für die gepflegte Anlage und die besondere Landschaft lohnt sich das meiner Meinung nach absolut.

Besonders schön war bei uns der Zeitpunkt.

Wir waren Mitte Oktober dort und hatten Glück mit dem Wetter. Es war sonnig, das Laub hatte sich bereits goldgelb verfärbt und gleichzeitig waren nur wenige Besucher unterwegs.

Dadurch wirkte die gesamte Felsenstadt unglaublich ruhig.

Der See in der Felsenstadt: Herbstlandschaft wie in den Canadian Rockies

Auf dem Rundweg kommt man außerdem an einem See vorbei.

Und genau dort hatte ich einen dieser Momente, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Die Sonne schien, die Bäume rund um den See leuchteten in den unterschiedlichsten Herbstfarben und das Wasser war so ruhig und klar, dass sich die komplette Landschaft darin spiegelte.

Ich hatte tatsächlich kurz das Gefühl, irgendwo in den Canadian Rockies zu stehen.

Auf meinem Foto ist eine Ente auf dem Wasser zu sehen, während sich die goldenen Bäume dahinter spiegeln.

Das Bild gehört bis heute zu meinen liebsten Erinnerungen an diese Reise.

Die Felsenstadt Adršpach war für mich deshalb nicht einfach nur ein weiterer Punkt auf unserer Ausflugsliste, sondern wirklich einer der schönsten Orte, die wir während der Woche gesehen haben.

Mummelfall in Harrachov: Wandern und Wellness perfekt kombiniert

Am 16. Oktober wollten wir es wieder etwas ruhiger angehen lassen.

Der Mummelfall, beziehungsweise Mumlavský vodopád, liegt direkt bei Harrachov und lässt sich von vielen Unterkünften im Ort problemlos zu Fuß erreichen.

Von unserem Hotel aus war der Weg eher ein Spaziergang als eine richtige Wanderung.

Wir liefen durch den Herbstwald zum Wasserfall, genossen die Natur und machten uns anschließend wieder auf den Rückweg.

Genau solche kleinen Wanderungen fand ich an Harrachov so angenehm.

Man muss nicht jedes Mal einen ganzen Tag unterwegs sein. Viele Sehenswürdigkeiten und Wanderwege liegen direkt vor der Haustür.

Und danach wartet im besten Fall die Sauna.

Wellness in Harrachov: Sauna, Massage und eine kleine kreative Pause

Nach dem Spaziergang zum Mummelfall gönnten wir uns noch etwas Besonderes:

eine Massage.

Wir entschieden uns für eine Fußmassage und eine klassische Massage.

Und genau das war einer der Vorteile unseres Aufenthalts in Harrachov: Wellnessanwendungen waren im Vergleich zu Deutschland und vielen bekannten Wellnessregionen relativ günstig, sodass man sich so etwas auch spontan gönnen konnte.

Die Massage war unglaublich wohltuend.

Anschließend ging es natürlich wieder in die Sauna.

An den meisten Abenden gehörte die Sauna zu unserem festen Tagesprogramm. Nur nach unserer großen Wanderung am nächsten Tag waren wir dafür definitiv zu müde.

An einem weiteren Nachmittag wurden wir außerdem kreativ und gestalteten unsere eigenen Gläser.

Wir haben unsere eigenen Aperol- und Lele-Gläser bemalt.

Es war eigentlich nur eine kleine Beschäftigung für zwischendurch, aber genau solche Dinge machen für mich eine gelungene Auszeit aus: Man muss nicht ständig etwas unternehmen.

Man kann auch einfach mal einen Nachmittag im Hotel verbringen.

Wandern im Riesengebirge: Unsere völlig ungeplante 30-Kilometer-Tour

Und dann kam der 17. Oktober.

Der Tag, an dem aus unserer entspannten Wellnessreise plötzlich eine ziemlich ambitionierte Wanderung wurde.

Wir wollten unbedingt den Pančavský vodopád sehen – den höchsten Wasserfall Tschechiens.

Der Wasserfall liegt im Riesengebirge im Gebiet des Nationalparks und ist von Harrachov aus nicht gerade um die Ecke.

Unser Navi zeigte ungefähr zwei Stunden Fahrzeit mit dem Auto an.

Wir schauten auf die Entfernung und dachten:

„Das sind doch nur ungefähr 15 Kilometer.“

Also beschlossen wir kurzerhand:

Wir laufen.

Rückblickend war das vermutlich nicht unsere cleverste Entscheidung.

Wir hatten zwar Wanderschuhe an, aber ansonsten waren wir alles andere als professionell für eine solche Tour vorbereitet.

Wir hatten eine kleine Flasche Wasser dabei.

Ein Hanuta.

Und natürlich meine Kamera.

Die Kamera war mir wichtig.

Wasser offenbar weniger.

Außerdem hatten wir die Karte nicht offline gespeichert.

Kein Empfang.

Keine vernünftige Vorbereitung.

Aber dafür jede Menge Motivation.

Pančavský vodopád: Wenn Google Maps plötzlich keine gute Idee mehr ist

Wir starteten morgens voller Elan.

Der Weg führte zunächst wieder am Mummelfall vorbei und anschließend immer weiter bergauf.

Es war kein besonders steiler Anstieg, aber es ging wirklich dauerhaft nach oben.

Irgendwann waren wir schon ziemlich genervt.

Und dann kamen wir immer weiter ins Nirgendwo.

Die Menschen wurden weniger.

Der Empfang verschwand.

Und irgendwann begegneten uns überhaupt keine anderen Wanderer mehr.

Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir auf der gesamten Strecke vielleicht acht Menschen gesehen.

Und die meisten davon waren tatsächlich erst in der Nähe des Wasserfalls.

Irgendwann kamen wir an eine Weggabelung.

Auf der Karte sah es für uns allerdings nicht nach zwei Wegen aus.

Ein Weg führte leicht bergab.

Der andere geradeaus.

Da wir keinen Empfang hatten und die Karte nicht offline gespeichert war, konnten wir nicht überprüfen, welcher Weg der richtige war.

Also liefen wir geradeaus.

Natürlich.

Und natürlich war das falsch.

Durch den Sumpf statt über die Brücke

Google Maps hatte inzwischen einen ganz eigenen Plan für uns.

Laut Navi sollten wir einfach noch ungefähr 20 Meter geradeaus laufen und dann wieder auf den richtigen Weg kommen.

Das Problem:

Vor uns lag ein Sumpf.

Und dahinter ein ziemlich steiler Hang.

Der Hang war voller Brombeeren, umgestürzter Bäume, Baumstümpfe und Äste.

Also im Grunde einfach Wald.

Nur nicht der Wald, durch den man gemütlich spazieren möchte.

Unsere Wanderschuhe waren zwar vorhanden, aber definitiv nicht dafür gemacht, durch einen Sumpf zu stapfen.

An dieser Stelle mussten wir beide erst einmal ziemlich durchatmen.

Denn inzwischen war uns klar:

Der eigentliche Weg war gar nicht so weit entfernt.

Wir hätten an der Gabelung einfach den Weg links bergab nehmen müssen. Dort hätte eine Brücke über das Wasser geführt und wir wären anschließend problemlos auf dem richtigen Wanderweg gelandet.

Stattdessen standen wir nun im Sumpf.

Wir waren genervt, hatten keinen Empfang und waren irgendwo mitten im Wald.

Kurz gesagt:

Wir hatten beide einen kleinen Nervenzusammenbruch.

Und ganz ehrlich: In diesem Moment war das auch absolut verständlich.

Denn wenn dort tatsächlich etwas passiert wäre, hätten wir ein echtes Problem gehabt.

Kein Netz.

Kaum Menschen.

Und Harrachov war ziemlich weit entfernt.

Unüberlegt war die Tour definitiv.

Aber abbrechen wollten wir trotzdem nicht.

Also kämpften wir uns durch Sumpf und Wald, kletterten den Hang hinauf und schafften es irgendwann tatsächlich zurück auf den richtigen Weg.

Und dann ging es weiter.

Der höchste Wasserfall Tschechiens: Pančavský vodopád

Nach diesem kleinen Abenteuer erreichten wir schließlich den Nationalpark und kamen irgendwann am Pančavský vodopád an.

Und plötzlich war der ganze Ärger vergessen.

Der Pančavský vodopád ist mit rund 148 Metern Fallhöhe der höchste Wasserfall Tschechiens.

Wir konnten ihn allerdings nur von oben beziehungsweise seitlich betrachten.

Eine Drohne hatten wir natürlich nicht dabei – obwohl ich rückblickend wirklich gerne eine Aufnahme von oben gehabt hätte.

Trotzdem war der Anblick beeindruckend.

Nach ungefähr 15 Kilometern Hinweg machten wir dort eine kurze Pause, aßen unser Hanuta und tranken etwas.

Und dann kam der Moment, in dem wir uns eingestehen mussten:

Wir müssen zurück.

Es war Oktober.

Und damit wurde es am Nachmittag ziemlich schnell dunkel.

Also machten wir uns wieder auf den Rückweg.

Diesmal natürlich über die Brücke.

Man lernt ja dazu.

30 Kilometer Wandern im Riesengebirge: Unser längster Tag in Harrachov

Der Rückweg zog sich.

Wir liefen wieder durch den Nationalpark, anschließend den Weg zurück Richtung Harrachov und irgendwann kamen wir wieder in der Nähe des Mummelfalls an.

Es war inzwischen ungefähr fünf oder sechs Uhr am Nachmittag.

Und langsam wurde es dunkel.

Am Ende hatten wir an diesem Tag rund 30 Kilometer zu Fuß zurückgelegt und ungefähr 40.000 Schritte gesammelt.

Für einen Tag, an dem wir morgens mit einem Hanuta und einer kleinen Flasche Wasser losgelaufen waren, gar nicht so schlecht.

War es anstrengend?

Oh ja.

Teilweise richtig.

Irgendwann läuft man einfach nur noch.

Man denkt nicht mehr darüber nach, ob die Füße wehtun oder wie viele Kilometer noch fehlen.

Man läuft.

Und läuft.

Und läuft.

Trotzdem fühlte es sich am Ende unglaublich gut an.

Als wir endlich unsere Stammkneipe erreichten, gingen wir sogar noch in voller Wanderkleidung hinein und aßen dort zu Abend.

Danach wollten wir eigentlich nur noch zurück ins Hotel, duschen und ins Bett.

Und trotzdem würde ich diese Wanderung heute tatsächlich wieder machen.

Nur mit einer Offline-Karte.

Mehr Wasser.

Und vielleicht ein bisschen besserer Vorbereitung.

Wellness nach der Wanderung: Warum wir trotzdem kaum Muskelkater hatten

Das Verrückte war:

Am nächsten Morgen hatten wir kaum Muskelkater.

Vielleicht lag es an der Massage am Vortag.

Vielleicht an den regelmäßigen Saunagängen.

Oder vielleicht waren wir einfach fitter, als wir dachten.

Unser Wellnesshotel war jedenfalls die perfekte Ergänzung zu den aktiven Tagen.

Bis auf den großen Wandertag waren wir eigentlich jeden Abend in der Sauna.

Nach einem langen Tag draußen in der Kälte in der Sauna zu sitzen und dabei auf die Skipiste zu schauen, war genau das, was wir nach unseren Wanderungen gebraucht haben.

Und genau diese Kombination aus Bewegung und Erholung hat mir an Harrachov besonders gut gefallen.

Harrachov im Oktober: Warum sich der Herbst für das Riesengebirge lohnt

Ich war im Oktober in Harrachov – und für mich war das eine richtig schöne Reisezeit.

Das Riesengebirge zeigt sich im Herbst von einer ganz anderen Seite.

Die Wälder färben sich goldgelb, die Temperaturen sind angenehm kühl zum Wandern und gleichzeitig ist deutlich weniger los als in der Hauptsaison.

Gerade an der Felsenstadt Adršpach haben wir davon profitiert.

Auch unser Hotel war aufgrund der Nebensaison sehr ruhig.

Wer also nicht unbedingt Schnee und Skifahren sucht, sondern Wandern, Wellness und Natur miteinander verbinden möchte, sollte den Herbst definitiv in Betracht ziehen.

Skifahren in Harrachov: Für Anfänger und Familien besonders interessant

Harrachov ist nicht nur ein Ziel für Wanderer und Wellnessurlauber.

Der Ort ist vor allem als Wintersportort bekannt.

Das Skigebiet ist meiner Meinung nach besonders für Anfänger und Familien interessant.

Wer riesige Skigebiete mit anspruchsvollen schwarzen Pisten und kilometerlangen Abfahrten sucht, wird in den österreichischen Alpen sicherlich mehr Auswahl finden.

Für Anfänger, Kinder und alle, die entspannt ein paar Tage Ski fahren möchten, bietet Harrachov aber eine angenehme Alternative.

Eine weitere bekannte Attraktion des Ortes ist die Skisprungschanze von Harrachov, die schon von Weitem auffällt und zum Ortsbild gehört.

Harrachov Sehenswürdigkeiten: Meine persönlichen Empfehlungen

Wenn du einen Urlaub in Harrachov planst, würde ich diese Erlebnisse auf meine persönliche Liste setzen:

  • Mumlavský vodopád / Mummelfall – leicht erreichbar und perfekt für einen Spaziergang
  • Felsenstadt Adršpach – für mich ein absolutes Muss
  • Pančavský vodopád – spektakulär, aber nur mit guter Planung und passender Wanderroute
  • Seilbahn in Harrachov – ideal, wenn man schnell Höhenmeter überwinden möchte
  • Skisprungschanze Harrachov – eine interessante Sehenswürdigkeit direkt im Ort
  • Wanderungen durch das Riesengebirge – besonders schön im Herbst
  • Wellness und Sauna – perfekt als Ausgleich nach aktiven Tagen


Wie viele Tage braucht man für Harrachov?

Für Harrachov würde ich mindestens vier bis fünf Tage einplanen.

Wir waren knapp eine Woche dort und fanden diese Zeit perfekt.

So konnten wir verschiedene Wanderungen unternehmen, einen größeren Ausflug zur Felsenstadt machen und trotzdem genügend Zeit für Wellness und Erholung einplanen.

Gerade wenn du Harrachov mit Wellness und Wandern verbinden möchtest, würde ich nicht versuchen, jeden Tag komplett durchzuplanen.

Ein aktiver Tag.

Ein ruhiger Tag.

Vielleicht ein Ausflug.

Und dazwischen Sauna, gutes Essen und einfach mal nichts tun.

Genau dafür eignet sich die Region meiner Meinung nach besonders gut.
 

Mein Fazit: Harrachov ist perfekt für eine aktive Auszeit

Harrachov stand 2024 definitiv nicht auf meiner Bucketlist.

Und vielleicht war genau das das Schöne daran.

Ich hatte keine großen Erwartungen und wollte eigentlich nur ein paar Tage abschalten.

Am Ende habe ich eine Woche voller kleiner Abenteuer erlebt: Wir sind mit der Seilbahn gefahren, haben uns im Wald verlaufen, Pilze gesammelt, einen Regenbogen entdeckt, die Felsenstadt Adršpach erkundet, sind zum Mummelfall gelaufen und haben spontan eine 30-Kilometer-Wanderung zum höchsten Wasserfall Tschechiens daraus gemacht.

Dazu kamen Sauna, Massagen, gutes Essen und ein Hotel, das für vergleichsweise wenig Geld wirklich viel geboten hat.

Harrachov ist vielleicht nicht der Ort für den großen Luxusurlaub.

Aber genau das muss er auch gar nicht sein.

Für mich war es eher Back to the roots.

Natur statt Programm.

Bewegung statt Liegestuhl.

Sauna statt Party.

Und abends eine kleine Kneipe im Ort statt schickem Restaurant.

Wer einen günstigen Urlaub im Riesengebirge sucht und dabei Wandern, Wellness und Natur verbinden möchte, sollte Harrachov meiner Meinung nach definitiv auf dem Schirm haben.

Ich würde jederzeit wiederkommen.

Vielleicht beim nächsten Mal sogar mit einer heruntergeladenen Offline-Karte.

Italien

Italien - Zwischen Neapel und Rom, wo meine Liebe zum Reisen begonnen hat

Es gibt Reisen, die man macht, weil sie auf einer Bucketlist stehen. Und es gibt Reisen, die etwas verändern. Italien gehört für mich zu Letzteren. Ich kann gar nicht genau sagen, wann diese Verbindung entstanden ist. Irgendwann war da einfach dieses
Christiane Seliger
17.10.2026
•
5 min Lesezeit

Es gibt Reisen, die man macht, weil sie auf einer Bucketlist stehen. Und es gibt Reisen, die etwas verändern.

Italien gehört für mich zu Letzteren.

Ich kann gar nicht genau sagen, wann diese Verbindung entstanden ist. Irgendwann war da einfach dieses Gefühl: Italien zieht mich an. Die Toskana, die Küste, das Essen, die Sprache - all das hat in mir schon lange etwas ausgelöst, bevor ich überhaupt dort war.

Heute versuche ich sogar, ein Stück dieses Lebensgefühls in meinen Alltag zu integrieren. Durch die Art, wie ich esse, wie ich meinen Tag gestalte oder wie ich Dinge wahrnehme. Aber der eigentliche Beginn dieser Verbindung liegt in einer Reise, die ich 2023 gemacht habe.

Der Anfang: Ein Hotelgutschein und eine spontane Entscheidung

Es war eine Zeit nach Corona, in der vieles wieder möglich wurde und Reisen sich langsam wieder normal anfühlten. Ich hatte einen Hotelgutschein, flexibel einlösbar in vielen Ländern. Eigentlich hätte es überall hingehen können. Am Ende habe ich mich ganz bewusst für Italien entschieden.

Nicht für einen klassischen Badeurlaub. Nicht für einen Luxusaufenthalt. Sondern für eine Route, die mich neugierig gemacht hat: Neapel, Amalfiküste und Rom. Rückblickend war genau das die richtige Entscheidung.

Neapel - erster Abend, erster Überblick, erstes Gefühl von Italien

Wir sind in Neapel bzw. genauer gesagt in der Region Cassino angekommen und hatten dort im Best Western Rocca unser Basislager für die ersten Tage. Von dort aus haben wir die Umgebung mit dem Mietwagen erkundet.

Der erste Tag war noch ruhig - aber der erste Abend hat direkt etwas in mir verändert.

Nach dem Check-in und einem kurzen Besuch im nahegelegenen Freibad sind wir später am Abend einfach losgefahren, ohne konkreten Plan, nur um unsere Umgebung kennenzulernen. Wir sind irgendwo hochgefahren, auf eine Anhöhe mit Aussicht. In der Nähe war vermutlich eine Gedenkstätte oder ein historisches Gebäude - ganz genau kann ich es heute nicht mehr sagen. Aber das spielt auch keine Rolle. Was zählt, ist dieser Moment.

Die Sonne ist langsam untergegangen und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl: Jetzt bin ich wirklich in Italien angekommen. Kein Sightseeing. Kein Programm. Nur dieser Blick, dieses Licht, diese Stimmung. Ein erster Überblick über unsere neue Umgebung - und gleichzeitig der Beginn einer Reise, die viel mehr werden sollte als nur Urlaub.

Paestum - wo Geschichte plötzlich greifbar wird 

Am nächsten Tag ging es nach Paestum, einer archäologischen Stätte mit beeindruckenden antiken Tempeln. Wir sind dort ohne Guide durchgelaufen, einfach durch die Anlage geschlendert und haben die Atmosphäre auf uns wirken lassen. 

Es war heiß, ruhig und gleichzeit unglaublich eindrucksvoll. Zwischendurch ein Gelato, alte Steine, Sonne auf der Haut - genau diese Mischung macht Italien für mich aus.

Der Vesuv bei goldener Stunde und Pompeji im Morgentakt

Einer der intensivsten Tage begann früh in Pompeji. Wir waren direkt morgens dort, als die Anlage noch vergleichsweise leer war. Stundenlang sind wir durch die Straßen dieser antiken Stadt gelaufen. Es ist schwer zu beschreiben, wie es sich anfühlt, an einem Ort zu stehen, der so viel Geschichte in sich trägt. Am Nachmittag haben wir eine Pause eingelegt, etwas gegessen und uns dann auf den Weg Richtung Vesuv gemacht. Der Aufstieg zum Vesuv ist überraschend unkompliziert. Man kann relativ weit mit dem Auto hinauffahren und läuft dann nur noch etwa zehn bis fünfzehn Minuten bis zum Kraterrand. Der Weg ist gut ausgebaut, breit und leicht zu gehen - anders, als viele es erwarten würden. Oben angekommen war es einer dieser Momente die sich einprägen.

Nicht ganz Sonnenuntergang, aber goldene Stunde über dem Golf von Neapel. Die Landschaft, das Licht, die Weite - einfach magisch.

Amalfiküste - Zitroneneis, Chaos und Umwege

Die Amalfiküste hat uns auf ihre ganz eigene Weise eingefangen. Mit viel Verkehr. Sehr viel Verkehr. 

Ich habe es geschafft, mich mehrfach an denselben Mautstaionen zu verfahren und bin zweimal wieder dort gelandet, wo ich bereits gewesen war. Am Ende bedeutete das: dreimal Maut zahlen und eine kleine Lektion in italienischer Straßenlogik. An der Küste selbst sind wir am Ende gar nicht richtig angekommen. Stattdessen haben wir oberhalb gehalten, Zitroneneis gegessen und einfach die Aussicht genossen. Nicht alles muss perfekt geplant sein, um in Erinnerung zu bleiben. Und was ich damals noch nicht wusste - ich sollte 3 Jahre später in einem kleinen, nieldichen Boutiquehotel direkt in Positano einchecken und die Amalfiküste auf ganz entspannte Weise kennenlernen.

Rom - die Stadt, die man zu Fuß versteht

Nach Neapel ging es weiter nach Rom. Dort haben wir den Mietwagen abgegeben und die Stadt komplett zu Fuß erkundet. Rom ist keine Stadt, die man einfach “besichtigt”.

Rom erlebt man.

Früh morgens standen wir am Petersdom, noch bevor die großen Menschenmassen da waren. Ohne Wartezeit sind wir direkt zur Kuppel aufgestiegen - sportlich über die Treppen, aber absolut lohnenswert. Oben hatten wir einen Moment lang das Gefühl, die Stadt gehört uns allein. Kurz danach war der Platz komplett überfüllt. Dieser Kontrast ist Rom. 

Am Nachmittag folgten Kolosseum und Forum Romanum - enspannt, mit festen Zeitfenstern und ohne Stress. Dazwischen sind wir einfach durch die Stadt gelaufen: Spanische Treppen, kleine Cafés, enge Gassen und dieses Gefühl, dass Geschichte hier nicht hinter Glas steckt, sondern mitten im Alltag lebt. 

Der Trevi-Brunnen war damals noch frei zugänglich. Nachts dort zu stehen, eine Münze hineinzuwerfen und diesen Moment mitzunehmen, war etwas ganz Besonderes.

Was Italien wirklich mit mir gemacht hat

Diese Reise war für mich mehr als eine Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten. Sie war der Beginn eines Gefühls. Italien hat mir eine Form von Leichtigkeit gezeigt, die ich vorher so nicht kannte. Dieses draußen sein, dieses Essen, die Lebensfreude, diese Wärme, diese Art zu leben. Ich war selten so entspannt wie in diesen Tagen. Und genau deshalb ist Italien für mich bis heute kein Urlaubsziel. Sondern ein Lebensgefühl.

Rückblickend war diese Reise der Startpunkt meiner Verbidnung zu Italien. Neapel mit seinem Chaos und seinen Momenten. 

Der Vesuv mit seiner Ruhe über den Wolken.

Und Rom, das alles zusammenführt.

Es war nicht perfekt geplant. Es war nicht perfekt organisiert.

Aber genau deshalb war es perfekt.

Ausflüge Rom: 

Ausflüge Golf von Neapel:

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